Fachwissen

Thermische Reinigung & Entlackung in der Industrie

Im Betrieb von Lackier- und Beschichtungsanlagen wachsen Betriebsmittel kontinuierlich mit Lack und Pulver zu – Gestelle, Haken, Gitterroste und Skids „verlacken". Damit Beschichtungsergebnisse reproduzierbar bleiben, müssen diese Hilfsmittel regelmäßig vollständig entschichtet werden. Hier erklären wir die Verfahren und ihre Einsatzfelder.

Verfahren

Thermische Entlackung (Pyrolyse)

Bei der thermischen Entlackung – auch Pyrolyse oder Schwelpyrolyse genannt – werden organische Beschichtungen entfernt, indem die Bauteile in einem Ofen unter sauerstoffreduzierter Atmosphäre kontrolliert auf rund 400 bis 450 °C erhitzt werden. Unter diesen Bedingungen zersetzen sich Nasslacke, Pulverbeschichtungen, KTL-Schichten, Kunststoffe und vergleichbare organische Stoffe und gehen als Schwelgas in die Gasphase über. Die reduzierte Sauerstoffmenge verhindert dabei, dass die Teile verbrennen oder sich verziehen.

Die entstehenden Pyrolysegase werden in eine thermische Nachbrennkammer geführt und dort bei etwa 850 °C nahezu vollständig zu Wasserdampf und Kohlendioxid umgesetzt. So bleibt der Schadstoffausstoß innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte – ganz ohne aggressive Chemie und ohne offene Tauchbäder. Nach dem Abkühlen verbleibt auf den Bauteilen nur eine feine Ascheschicht, die anschließend durch Strahlen (etwa mit Korund oder Glasperlen), Hochdruck- oder Dampfstrahlen entfernt wird. Auf Wunsch lassen sich die Teile danach passivieren bzw. konservieren.

Das Verfahren eignet sich besonders für temperaturbeständige, sperrige und stark verlackte Metallteile und ist dort meist wirtschaftlicher als eine chemische Entschichtung.

Tölke-Pyrolyseofen mit Warenträger-Gestellen zur thermischen Entlackung
Thermische Entlackung im Pyrolyseofen – rückstandsfrei und chemikalienfrei.
Betriebsmittel

Reinigung & Entlackung von Lackiergestellen

Gestelle, Warenträger, Lackierhaken, Traversen und Aufnahmen tragen die Werkstücke durch die Beschichtungsanlage. Mit jedem Durchlauf bleibt etwas Lack oder Pulver an ihnen haften – sie „verlacken" zunehmend. Das hat unmittelbare Folgen für die Prozessqualität: Bei der elektrostatischen Pulverbeschichtung müssen die Aufnahmen elektrisch leitend bleiben, damit Erdung und Ladungsaufbau funktionieren. Eine dicke Lackschicht isoliert, verschlechtert die Pulverhaftung und führt zu schwankenden Schichtdicken und Ausschuss.

Die regelmäßige, zyklische Entlackung der Betriebsmittel stellt die elektrische Kontaktierung wieder her, sichert gleichbleibende Schichtdicken und verlängert die Nutzungsdauer der Gestelle, da sie vielfach wiederverwendet werden. Auch fehl- oder falschbeschichtete Teile lassen sich auf diese Weise zurückgewinnen, statt sie zu verschrotten.

Entlacktes Warenträger-Gestell vor dem Pyrolyseofen
Strahlanlage zur Nachreinigung entlackter Teile – Entfernen der Ascheschicht nach der Pyrolyse.
Einsatzfelder

Gitterroste, Skids & Fördermittel

Gitterrostreinigung. Gitterroste aus Lackierkabinen, Filterböden und Spritzständen setzen sich im Betrieb mit Overspray zu. Verstopfte Roste behindern die Luftführung der Kabine und beeinträchtigen die Lackierqualität. Durch thermische Entlackung wird das Gitter wieder vollständig freigelegt – die Roste lassen sich erneut einsetzen, anstatt sie zu ersetzen.

Skid-Reinigung. In automatisierten Lackierlinien – vor allem in der Automobilindustrie – laufen Karossen und Bauteile auf sogenannten Skids (Transportrahmen) durch die Anlage. Auch diese Skids sammeln über viele Zyklen Lackaufbauten an, die Maßhaltigkeit, Auflage und elektrische Kontaktierung beeinträchtigen. Eine periodische Entschichtung – thermisch oder chemisch – hält Förder- und Lackierprozesse präzise und störungsarm. Gleiches gilt für weitere Fördermittel wie Gehänge, Aufnahmen und Vorrichtungen.

Werkzeuge der Kunststoffindustrie

Extruderschnecken, Düsen, Werkzeuge, Heißkanäle und Lochplatten werden rückstandsfrei von Polymer- und Lackresten befreit.

Elektromotoren

Entschichten von Statoren und Bauteilen zur Aufarbeitung und Wiederverwendung.

Wärmetauscher & Filter

Verbackene Komponenten werden schonend und vollständig gereinigt.

Temperaturfeste Bauteile

Federn, Magnete, Drehtische und Abscheidebehälter eignen sich für die thermische Reinigung.

Orientierung

Welches Verfahren passt?

Die Wahl hängt von Werkstoff, Schichtdicke und Temperaturbeständigkeit ab. Häufig werden die Verfahren kombiniert – etwa thermisch entlacken und anschließend strahlen.

Thermisch (Pyrolyse)

Ideal für temperaturbeständige, stark verlackte Teile. Chemikalienfrei, bei zyklischer Reinigung wirtschaftlich. Asche wird anschließend abgestrahlt.

Chemisch

Für temperaturempfindliche Werkstoffe – etwa dünnwandige, verzinkte oder Aluminiumteile. Entschichtung bereits ab ca. 80 °C im alkalischen Bad.

Wasserhöchstdruck

Rein mechanisch mit Wasser, ohne Chemie. Besonders schonend für empfindliche Oberflächen; das Wasser wird im Kreislauf geführt.

Allen Verfahren gemeinsam: Sie geben Betriebsmitteln und Bauteilen ein zweites Leben, reduzieren Ausschuss und sparen Neubeschaffung – ein messbarer Beitrag zu Wirtschaftlichkeit und Ressourcenschonung.

FAQ

Häufige Fragen

Bei welcher Temperatur läuft die thermische Entlackung?

Die Bauteile werden unter sauerstoffreduzierter Atmosphäre auf rund 400–450 °C erhitzt; die entstehenden Pyrolysegase werden in einer Nachbrennkammer bei etwa 850 °C nachverbrannt.

Was bleibt nach der Pyrolyse auf dem Bauteil?

Nur eine feine Ascheschicht. Sie wird anschließend durch Strahlen (z. B. mit Korund oder Glasperlen), Hochdruck- oder Dampfstrahlen rückstandsfrei entfernt.

Für welche Teile eignet sich die thermische Reinigung?

Für temperaturbeständige Metallteile wie Werkzeuge, Wärmetauscher, Statoren, Lackiergestelle, Gitterroste und Förderketten.

Ist das Verfahren chemikalienfrei?

Ja. Die thermische Entlackung kommt ohne aggressive Chemie und ohne offene Tauchbäder aus.

Welches Verfahren passt zu Ihren Bauteilen?

Senden Sie uns Ihre Teile oder Ihre Anforderung – wir empfehlen das geeignete Verfahren und kümmern uns auf Wunsch um Abholung und Lieferung.

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