← Alle Leistungen Oberflächentechnik · OT.06

Entlacken (chemisch)

Materialschonende, rückstandsfreie Lackentfernung – auch für Massenteile und temperaturempfindliche Werkstücke.

Chemisches Entlacken ist die Wahl, wenn Bauteile ihre Maße und ihr Gefüge behalten müssen. Weil die Lackschicht gelöst und nicht erhitzt wird, entsteht kein Verzug – das macht das Verfahren besonders geeignet für dünnwandige, maßkritische und temperaturempfindliche Werkstücke aus Aluminium, Zink oder Druckguss.

Verfahren im Detail

Beim chemischen Entlacken werden organische Beschichtungen gezielt abgelöst, ohne das Grundmaterial anzugreifen. Je nach Aufgabe arbeiten wir im Tauchbad oder im Spritzverfahren:

  • Tauchentlacken – Das Werkstück wird auf einem Warenträger in ein beheiztes, abgedecktes Bad eingebracht, das ständig umgewälzt wird. So umspült das Medium das Bauteil allseitig und erreicht auch Hohlräume, Profile und komplexe Geometrien vollständig. Je nach Lackauftrag, Badzustand und Werkstoff dauert der Vorgang etwa 2 bis 10 Stunden.
  • Spritzentlacken – Ein nicht schäumendes Medium wird gezielt auf die Oberfläche gesprüht, anschließend wird mit Hochdruck-Wasser nachgereinigt. Das arbeitet flächig und selektiv, kommt mit weniger Medium aus und ist wirtschaftlich, wenn nur die sichtbare Oberfläche entschichtet werden muss.

Das Medium richtet sich nach Lack und Werkstoff: alkalisch bei 75–95 °C für Stahlteile, sauer bei 80–85 °C für Aluprofile, Motorteile und Aluminiumfelgen, lösemittelbasiert bei 80–150 °C, wenn die Oberfläche nicht angegriffen werden darf. Für empfindliche Werkstoffe setzen wir milde, metallschonende Mittel ein. Nach dem Entlacken folgen Spülen und bei Bedarf Neutralisieren oder Passivieren; ein abschließendes Glasperlstrahlen entfernt letzte Rückstände. Worin sich Tauchbad und Spritzverfahren unterscheiden, erläutert der Fachbeitrag Tauch- und Spritzentlacken im Vergleich; speziell für Betriebsmittel siehe Entlackung von Lackierhaken, Gehängen und Förderketten.

Geeignete Bauteile und Werkstoffe

Hochalkalische Medien eignen sich für Stahl, nicht jedoch für Aluminium oder Zink – für Nichteisenmetalle wählen wir entsprechend saure Medien. Aluminium-Strangguss läuft dabei nicht dunkel an. Das Verfahren gilt als wichtigstes Mittel, um Pulverbeschichtungen von Felgen aus Stahl und Aluminium sowie von Profilen, Fenstern und Bauteilen aus Nichteisenmetallen zu entfernen.

  • Gehänge, Traversen und Warenträger aus der Beschichtung
  • Karosserien und Fahrzeugbauteile
  • Massen- und Kleinteile in großer Stückzahl
  • Temperaturempfindliche Bauteile

Robuste, temperaturbeständige Teile mit dicken Lackaufbauten entschichten wir stattdessen wirtschaftlicher per thermischer Entlackung im Pyrolyseofen.

Qualitätssicherung und Dokumentation

Die Prozessführung ist der Qualitätshebel: Badtemperatur und Badzustand bestimmen, ob eine Schicht vollständig abgelöst wird und ob der Werkstoff unversehrt bleibt. Das Ergebnis kontrollieren wir am Bauteil – blanke, gleichmäßig entschichtete Oberflächen ohne Restlack in Hohlräumen und Profilen. Auf Wunsch dokumentieren wir die Aufarbeitung und prüfen bei wiederkehrenden Serien ein Erstmuster vorab.

Eckdaten

Verfahren
chemisch, im Tauchprozess
Eigenschaft
materialschonend, rückstandsfrei
Eignung
auch empfindliche Werkstücke
Ergebnis
blanke, beschichtbare Oberfläche
Vollständig entlackte Fahrzeugkarosserie
FAQ

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Entlackung im Tauchbad?

Je nach Lackauftrag, Badzustand und Werkstoff etwa 2 bis 10 Stunden.

Für welche Werkstoffe eignet sich das Verfahren?

Besonders für temperaturempfindliche und maßkritische Teile aus Aluminium, Zink oder Druckguss. Für Stahlteile setzen wir alkalische Medien ein, für Nichteisenmetalle saure – hochalkalische Medien eignen sich nicht für Aluminium oder Zink.

Verzieht sich das Bauteil dabei?

Nein. Die Lackschicht wird gelöst und nicht erhitzt, dadurch entsteht keine thermische Belastung und kein Verzug. Toleranzen und Oberflächen bleiben erhalten.

Werden auch Hohlräume und Profile erreicht?

Ja. Im Tauchbad wird das Bauteil allseitig umspült, sodass auch Hohlräume, Profile und komplexe Geometrien vollständig erreicht werden.

Was passiert nach dem Entlacken?

Das Teil wird gespült und bei Bedarf neutralisiert oder passiviert. Ein abschließendes Glasperlstrahlen entfernt letzte Rückstände und bereitet die Oberfläche für die Neubeschichtung vor.

Weitere Verfahren
Aus dem Fachwissen

Bauteile zu entlacken?

Nennen Sie uns Werkstoff, Beschichtung und Stückzahl – wir wählen das schonendste Verfahren.

Anfrage senden