Wenn Werkzeuge, Anlagenteile oder Betriebsmittel mit Polymer-, Harz- oder Lackresten zugesetzt sind, ist der Ersatz meist teurer als die Aufarbeitung. Die thermische Reinigung befreit solche Teile vollständig von organischen Anhaftungen und gibt ihnen ein zweites Leben – für Kunststoffverarbeiter, Elektroindustrie und Betreiber von Lackieranlagen.
Verfahren im Detail
Die thermische Reinigung nutzt das Prinzip der Pyrolyse, um organische Anhaftungen wie Lacke, Kunststoffe, Harze und Öle kontrolliert zu zersetzen. Im Ofen wird das Bauteil unter sauerstoffreduzierter Atmosphäre erhitzt; die reduzierte Sauerstoffmenge verhindert, dass die Teile verbrennen oder sich verziehen. Die entstehenden Gase werden in einer Nachbrennkammer bei etwa 850 °C nahezu vollständig umgesetzt.
Das Bauteil wird dabei schonend und rückstandsfrei gereinigt, ohne die Metallstruktur zu beschädigen – auch komplexe Geometrien und Hohlräume werden zuverlässig erreicht. Die verbliebene feine Ascheschicht entfernen wir anschließend durch Strahlen oder Hochdruck- und Dampfstrahlen; auf Wunsch werden die Teile danach passiviert oder konserviert. Welche Bauteilgruppen sich dafür eignen, zeigt der Fachbeitrag thermische Reinigung von Lackiergestellen, Gitterrosten und Werkzeugen; für Fördertechnik siehe Haken, Gehänge und Ketten entlacken.
Geeignete Bauteile und Werkstoffe
Voraussetzung ist Temperaturbeständigkeit des Grundwerkstoffs. Bewährt hat sich das Verfahren für Extruderschnecken, Düsen, Werkzeuge, Heißkanäle und Lochplatten aus der Kunststoffverarbeitung, für Statoren und Bauteile von Elektromotoren, für verbackene Wärmetauscher und Filter sowie für temperaturfeste Teile wie Federn, Magnete, Drehtische und Abscheidebehälter. Aus Lackieranlagen kommen Gitterroste, Skids und Fördermittel hinzu – zugesetzte Roste behindern die Luftführung der Kabine und beeinträchtigen die Lackierqualität.
- Werkzeuge, Düsen und Betriebsmittel der Kunststoffverarbeitung
- Wärmetauscher und Anlagenkomponenten
- Stator- und Elektromotorbauteile
- Vorbereitung für Aufarbeitung und Recycling
Der wirtschaftliche Kern des Verfahrens ist die Wiederverwendung: Zugesetzte Werkzeuge, Betriebsmittel und Anlagenteile lassen sich aufarbeiten statt ersetzen, und auch fehlbeschichtete Teile lassen sich zurückgewinnen, statt sie zu verschrotten. Empfindliche oder eingebaute Komponenten, die den Ofen nicht sehen dürfen, reinigen wir stattdessen per Trockeneisstrahlen im eingebauten Zustand.
Qualitätssicherung und Dokumentation
Kontrolliert wird über die Ofenführung: Temperatur und Sauerstoffgehalt bestimmen, ob die Anhaftungen vollständig zersetzt werden, ohne den Werkstoff zu verändern. Nach dem Entaschen prüfen wir das Bauteil auf Rückstandsfreiheit – bei Düsen, Heißkanälen und Lochplatten kommt es dabei auf die vollständig freie Bohrung an, bei Betriebsmitteln aus der Pulverbeschichtung auf die blanke, elektrisch leitende Kontaktstelle. Auf Wunsch dokumentieren wir die Aufarbeitung für Ihre Instandhaltungsakte.
Eckdaten
- Prinzip
- Pyrolyse, thermisch
- Eigenschaft
- schonend, rückstandsfrei
- Bauteile
- Werkzeuge, Wärmetauscher, E-Motoren
- Zweck
- Aufarbeitung, Reparatur, Recycling